Tagungen und Symposien

Tagungsankündigung

 

63. Jahrestagung der VAKJP vom 29.04. – 01.05.16 in Berlin

„Der ödipale Konflikt“: reloaded

Vom Begehren des Objekts zum Begehren des Subjekts

Die frühe Eltern-Kind-Beziehung ist in der Regel ein Ort universeller, unbewusster Verführung und elementarer Befriedigung. Das Kind trifft mit seiner noch im Entstehen begriffenen psychischen Struktur auf Erwachsene, deren sexuelles Begehren bereits ausgeprägt ist. Dieses Begehren der Erwachsenen wirkt auf das Kind wie eine ‚rätselhafte Botschaft‘, die sich in die infantile psychische Struktur einschreibt. Obwohl diese Botschaft zunächst vermutlich als Femdkörper empfunden wird, stellt sie eine permanente Aufforderung dar, entschlüsselt zu werden.

S. Freud nahm als Ursache für die Sexualität den Trieb an und vermutete desen Quelle im Organischen. In einer anderen Lesart und einem neueren Konzeptlässt sich Sexualität auch als ‚Begehren in Bezug auf den Anderen‘ verstehen. Das Begehren, das zunächst von den Eltern auf das Baby gerichtet ist und sich innerhalb der Beziehung entfaltet, entsteht im Kind als Antwor auf das Begehren des Erwachsenen. Sexuelle Erregung kann so als unbewusste Erinnerung verstanden werden, welche die frühere Befriedigung wieder herzustellen versucht. Damit verbunden ist das Konzept der Nachträglichkeit, um di eim Kindesalter begonnenen Manifestationen un dide sich einschleichende Destruktivität der Sexualität rechtzeitig erkennen zu können.

In den letzten Jahrzehnten verlagerte sich der Akzent in der psychoanalytischen Theorienbildung eher weg von der Psychosexualität hin zu Interaktions- und Denkvorgängen, die im Hier und Jetzt stattfinden. Bindungsfähigkeit, Mentalisierung, Triangulierung und prägenitale Entwicklungsprozesse rückten in den Vordergrund. Die Bezugnahme aufdie infantile Sexualität und die herausragende Bedeutung des Ödipuskomplexes traten in den Hintergrund.

Die Anerkennung des Ödipuskomplexes und dessen Überwindung wurde in der psychoanalytischen Terminologie und Theorie als strukturbildend verstanden. Welche entwicklungspsychologische Bedeutung hat er heute noch? Was bedeutet es, wenn wir die Begrenzuhng, die durch die Generationsgrenzen und die Geschlechterdifferenz vorgegeben ist, ernst nehmen  oder sie ignorieren?

Menschliche Sexualität hat neben ihrer körperlichen und psychischen auch eine soziale Bedeutung. Neue Familienformen wie zu Beispiel Einelternfamilien, Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Eltern sowie in Bezug auf ihr Geschlecht verunsicherte Erwachsene können bei Kindern und Jugendlichen – neben den entwicklungsbedingten sexuellen Herausforderungen – Irritationen auslösen, bis hin zu pathologischen Reaktionen.

Mit dem gewählten Thema wollen wir uns mit der Frage befassen, ob das Konzept des Ödipuskomplexes veraltet oder noch zeitgemäß ist oder ob es umewandelt, neu aufgeladen und aktualisier werden muss.

Helene Timmermann (für die Tagungsvorbereitungsgruppe)

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